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Genetik

Erblichkeit

Erblichkeit der Intelligenz

Erblichkeit ist vielleicht das am meisten debattierte und untersuchte Konzept auf dem Gebiet der Intelligenzforschung. Es bezieht sich auf den Anteil des Unterschieds in den IQ-Werten zwischen Menschen, der genetischen Faktoren gegenüber Umweltfaktoren zugeschrieben werden kann.

Es ist wichtig zu beachten, dass Erblichkeit Populationen beschreibt, nicht Individuen. Eine Erblichkeit von 50% bedeutet nicht, dass 50% Ihrer Intelligenz aus Ihren Genen stammen; es bedeutet, dass 50% der Variation in der Intelligenz über eine Gruppe von Menschen hinweg auf genetische Unterschiede zurückzuführen ist.

Die Kluft “Natur vs. Erziehung”

Der moderne Konsens in der Verhaltensgenetik legt nahe, dass Intelligenz in hohem Maße erblich ist, aber der Grad ändert sich im Laufe des Lebens.

  • Kindheit (20-40%): Bei kleinen Kindern spielt das häusliche Umfeld (Eltern, Bücher, Ernährung) eine massive Rolle.
  • Erwachsenenalter (60-80%): Wenn wir älter werden, setzen sich unsere genetischen Veranlagungen stärker durch. Im Erwachsenenalter sind Gene der stärkste einzelne Prädiktor für den IQ.

Der Wilson-Effekt

Dieser Anstieg der Erblichkeit mit dem Alter ist als Wilson-Effekt bekannt. Er legt nahe, dass wir, wenn wir aufwachsen und Unabhängigkeit gewinnen, Umgebungen auswählen, die unseren genetischen Neigungen entsprechen. Ein Kind mit hohem genetischem Potenzial zum Lesen wird sich dafür entscheiden, in die Bibliothek zu gehen, und so seinen verbalen IQ stärken. Auf diese Weise treiben uns unsere Gene dazu an, unsere eigenen Umgebungen zu schaffen.

Polygene Natur

Intelligenz ist polygen, was bedeutet, dass sie von Tausenden winziger genetischer Variationen beeinflusst wird, nicht nur von einem einzelnen “Klugheits-Gen”. Jüngste genomweite Assoziationsstudien (GWAS) haben Hunderte von spezifischen Genvarianten identifiziert, die mit Bildungsabschluss und kognitiver Funktion verbunden sind, obwohl jede einzelne Variante einen winzigen Effekt hat.

Fazit

Obwohl die Umwelt wichtig ist – besonders in Fällen extremer Deprivation –, stützt die wissenschaftliche Literatur überwältigend die Schlussfolgerung, dass die allgemeine Intelligenz (g) eine starke biologische und genetische Grundlage hat.

Verwandte Begriffe

Genetik Umwelt Wilson-Effekt Polygener Score
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